Verhütung mit Kalendermethode – Wie funktioniert sie?

Kalendermethode VerhütungWie sicher ist die Verhütung mit Kalendermethode? Wir zeigen dir, wie die Knaus-Ogino Verhütung funktioniert und welche Vor- und Nachteile sie bietet.

Viele Frauen und Paare suchen nach einer einfachen Verhütung ohne Hormone? Nun liegt es hier nahe, wenn man ohnehin einen Menstruationskalender führt, die fruchtbaren Tage zu berechnen. Doch wie sicher ist die Verhütung mit Kalendermethode? Wir möchten dir in diesem Artikel aufzeigen, wie die Kalendermethode wirklich funktioniert und welche Vor- und Nachteile sie bietet.

Wie sicher ist die Kalendermethode?

Die Kalender Methode hat einen Pearl Index [1] von 9 bei perfekter Anwendung. Das heißt, dass 9 von 100 Frauen, die die Kalendermethode ein Jahr zur Verhütung anwenden, ungeplant schwanger werden. Die Kalendermethode gehört damit zu den eher unsicheren Verhütungsmethoden ohne Hormone und ist von der Sicherheit mit dem Diaphragma zu vergleichen, welches einen Pearl Index von etwa 10 bis 14 aufweist.

Ohne Verhütung liegt der Pearl Index bei 85

Klar ist die Verhütung mit Kalendermethode im Vergleich zu gar keiner Verhütung immer noch tausendmal besser. Würde man gar nicht verhüten, läge der Pearl Index bei 85. Das heißt, dass statistisch gesehen 85 von 100 Frauen, welche ein Jahr lang gar keine Verhütungsmethode nutzen, ungeplant schwanger werden. Das wäre natürlich eine viel höhere Quote, als wenn nur 9 von 100 Frauen ungeplant schwanger werden. Aus diesem Grund werden heute noch Kalendermethoden in Entwicklungsländern in Afrika praktiziert, um die hohe Geburtenrate etwas zu reduzieren.

Pearl Index von unter 1 ist hoch sicher

Generell sagt man, dass alle Verhütungsmethoden, die einen Pearl Index unter 1 haben, sehr sicher sind, hierzu gehören beispielsweise die Pille (PI=0,3), die symptothermale Methode (PI=0,4) oder die Kupferspirale (PI=0,3). Im Vergleich dazu schneidet die Kalendermethode sehr schlecht ab und ist daher zur Verhütung im Aspekt der Sicherheit nicht die erste Wahl.

Wie funktioniert die Verhütung mit Kalendermethode?

Nun ist die Kalendermethode eine Methodik zur Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage im Zyklus. An den fruchtbaren Tagen muss eine Barrieremethode wie das Kondom oder Diaphragma verwendet werden. An den unfruchtbaren Tagen ist eine Frau zumindest theoretisch nicht fruchtbar und kann auch bei ungeschütztem Sex mit größerer Wahrscheinlichkeit nicht schwanger werden.

Menstruationskalender führen ist obligatorisch

Knaus Ogino Verhütung

Zyklusbeispiel zur Berechnung der fruchtbaren Tage nach Knaus und Ogino © Natürliche Fruchtbarkeit

Die Verhütung mit Kalendermethode kann nur angewendet werden, wenn man einen Menstruationskalender führt. Hierbei musst du ganz genau wissen, wie lang dein längster und kürzester Zyklus in deinem bisherigen Leben war. Die Kalendermethode nach Knaus und Ogino hat zwei Grundannahmen, die erste ist, dass der Eisprung immer genau 14 Tage vor der nächsten Menstruation stattfindet. Ebenso geht man bei Knaus-Ogino-Verhütung davon aus, dass Spermien etwa drei Tage im Körper der Frau überleben können. Nach dieser Logik ergeben sich zwei Regeln.

Kürzester Zyklus minus 18 Tage = Erster fruchtbarer Tag

Längster Zyklus minus 11 Tage = Letzter fruchtbarer Tag

Zyklusbeispiel für Kalendermethode

Mal angenommen der Zyklus einer Frau schwankt zwischen 29 und 34 Tagen. Dann wäre der kürzeste Zyklus somit 29 Tage und der längste Zyklus 34 Tage lang. Nun rechnet man 29-18=11 und 34-11=23. Somit wäre die Frau nach der Kalendermethode vom 11. bis 23. Zyklustag fruchtbar.

Warum ist die Kalendermethode so unsicher?

Jetzt muss man schon sagen, dass ein Pearl Index von 9 für die Kalendermethode wirklich nicht gut ist. Aber warum ist die Kalendermethode so unsicher? Es liegt vor allem daran, dass die Verhütung mit der Kalendermethode um 1930 entwickelt wurde und man damals noch sehr wenig über den Zyklus und die fruchtbaren Tage wusste. Die Grundannahmen der Kalendermethode sind halt falsch, weil man angenommen hat, dass der Zyklus der Frau wie ein Uhrwerk funktioniert. Doch das ist nicht der Fall, der natürliche Zyklus ist großen Schwankungen unterworfen:

Eisprung befindet sich 10 bis 16 Tage vor der Menstruation

Wir wissen beispielsweise heute aus Untersuchungen mit Ultraschall, dass der Eisprung nicht immer exakt 14 Tage vor der Menstruation stattfindet. Man geht nach aktueller Studienlage eher von einem Zeitraum vom 10 bis 16 Tagen vor der Menstruation aus.

Spermien können bis zu 3 bis 5 Tage im Körper der Frau überleben

Neueste Untersuchungen zeigen, dass Spermien etwa drei bis fünf Tage im Körper der Frau befruchtungsfähig bleiben können. Die Annahme, dass Spermien nur drei Tage im Körper der Frau befruchtungsfähig sind, ist somit eine Unterschätzung der Fruchtbarkeit.

Zyklen ohne Eisprung

Zyklen ohne Eisprung

Rosmus T (1992) et. al. Häufigkeit der Zyklen ohne Eisprung in den jeweiligen Altersgruppen der Frauen

Die Tatsache, dass es in manchen Zyklen gar keinen Eisprung gibt, wird von der Kalendermethode völlig ignoriert. Zugebenermaßen tritt dies im Alter von 25 bis 35 Jahren nur etwa in 2% der Zyklen auf. Trotzdem ist dies gerade in der Pubertät, wo viele junge Mädels hormonfrei verhüten möchten, ein Problem. Schließlich sind hier Zyklen ohne Eisprung sehr viel wahrscheinlicher und so können bis zu 20% der Zyklen einer 12 bis 16 jährigen jungen Frau ohne Eisprung sein. Dies ist einer der Gründe, warum die Anwendung von Menstruationskalender Apps zur Verhütung, welche die Kalendermethode zur Bestimmung der fruchtbaren Tage nutzen, megagefährlich sind.

Vor- und Nachteile der Kalendermethode

Natürlich hat die Verhütung mit Kalendermethode ihre Vor- und Nacheile, die wir nun kurz und übersichtlich für dich zusammenfassen:

PRO

  • sehr einfach anzuwenden
  • keine gesundheitlichen Nebenwirkungen
  • keine technischen Hilfsmittel erforderlich

CONTRA

  • geringe Sicherheit (Pearl Index von 9)
  • erfordert Umgang mit den fruchtbaren Tagen
  • schlechtes Verhältnis von fruchtbaren und unfruchtbaren Tagen bei längeren Zyklen

Alternativen zur Natürlichen Knaus-Ogino Verhütung

Nun wirst du dich sicher fragen, welche Alternativen es zur hormonfreien Verhütung mit Kalendermethode gibt. Hierfür haben wir ein ausführliches Video mit den 5 besten hormonfreien Verhütungsmethoden für Dich gedreht, dass wir dir an dieser Stelle wärmstens empfehlen können. Wenn du eine sichere Methode zur Bestimmung der fruchtbaren und unfruchtbaren Tage suchst, dann können wir dir die symptothermale Methode empfehlen, welche wir in einem anderen Beitrag ausführlicher vorgestellt haben.

Fazit

Die Kalendermethode kann man nicht mit gutem Gewissen zur Verhütung empfehlen. Sie hat einfach einen zu schlechten Pearl Index und geht von falschen Annahmen aus, die mittlerweile überholt sind. Ebenso gibt es wirklich bessere Verhütungsmethoden ohne Hormone, die wesentlich sicherer sind. Hierzu zählen beispielsweise die symptothermale Methode, das Kondom, die Kupferspirale und viele mehr. Ich möchte den Artikel mit einem Zitat von dem Wirtschaftswissenschaftler und Politiker Roman Prodi beenden, der einst sagte:

„Wenn man alles berechnet, gelingt nichts.”

In diesem Sinne möchte ich dich ermutigen, die fruchtbaren Tage lieber mit einer geeigneten Methode anhand der Körperbeobachtung der Fruchtbarkeitszeichen wie Zervixschleim und Basaltemperatur zu bestimmen, als sie zu berechnen.

Quellen

[1] Hatcher, RA; Trussel J; Stewart F; et al. (2000). Contraceptive Technology (18th ed.). New York: Ardent Media. ISBN 0-9664902-6-6. Archived from the original on 2008-05-31. Retrieved 2006-10-02.

[2] Frank-Herrmann P, Heil J, Gnoth C, Toledo E, Baur S, Pyper C, Jenetzky E, Strowitzki T, Freundl G. The effectiveness of a fertility awareness based method to avoid pregnancy in relation to a couple’s sexual behaviour during the fertile time: a prospective longitudinal study. Hum Reprod. 2007

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