Mein neues Leben nach Hormonspirale -Interview mit Katharina

Katharina HormonspiraleKatharina machte umfassende Erfahrungen mit der Hormonspirale und litt unter schrecklichen Nebenwirkungen. Mit ihrem anonymen Interview möchte sie ihre Erfahrungen teilen und von ihrem neuen hormonfreien Leben berichten.

Du hast früher die Hormonspirale zur Verhütung genommen. Wie kam es dazu?

Eigentlich wollte ich nie hormonell verhüten. Ein Versuch mit der Pille 1993 habe ich wegen Migräne innerhalb weniger Tage beendet. Dann, im Jahr 2000 hörte ich von Feundinnen, dass die Hormonspirale gut sei. Von der Kupferspirale bekam ich nur Negatives mit, eine Freundin hatte extrem verstärkte Blutungen, das wollte ich natürlich nicht. Damals stand noch im Werbesprospekt des Herstellers, dass die Hormonspirale Mirena ein Zwanzigstel der Hormone der Pille täglich an den Körper abgeben würde. Heute weiß man, dass sie 2-6 fach soviel abgibt. Meine Frauenärztin erzählte das, was im Prospekt stand, nämlich auch, dass sie nur lokal wirken würde. Ich habe beides geglaubt. Die lokale Wirkung ist aber anatomisch unmöglich. Der Wirkstoff ist bereits eine Stunde nach Einlage im Blut nachweisbar. Heute bin ich schlauer. Leider bekam ich auch keinen Beipackzettel und so konnte ich die Nebenwirkungen, die sich mit der Zeit einschlichen nicht zuordnen.

Welche Nebenwirkungen hattest du unter der Hormonspirale?

Es ging schleichend los mit Pigmentstörungen im Gesicht (braune Flecken), morgendlicher Übelkeit, Drehschwindel und schwarzen Barthaaren am Kinn. So richtig übel wurde es kurze Zeit nach Einsetzen der 2. Hormonspirale 2006: Unkontrollierbare Gewichtszunahme von insgesamt 11 kg in 3 Jahren!!!, Wasseransammlungen in den Beinen, Venenprobleme, vermehrt Cellulite, Libidoverlust, Augenverschlechterung (Gedrucktes verschwimmt, Schleier vor den Linsen, plötzlich und vehement auftretende Altersweitsichtigkeit), Lebensmittelunverträglichkeiten, Kälte- und Hitzeempfindlichkeit, Verdauungsprobleme/Blähungen, harte Lymphknoten unter den Achseln und in der Leistengegend, orangefarbener übelriechender Ausfluss, verstärkte dunkle Behaarung an den Unterschenkeln, Ischiasbeschwerden, sehr oft „Hexenschuß“, Migräne, Nackenverspannungen, abendliche Wadenkrämpfe, rheumaähnliche Beschwerden in der linken Schulter, schmerzhafte juckende Pickel am Hals-Kinn-Bereich. Außerdem entwickelte ich einige psychische Probleme: Panikattacken, Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit und Depressivität.

Irgendwann hast du dann die Hormonspirale ziehen lassen und beschlossen, ab sofort keine Hormone mehr zur Verhütung zu nehmen. Was war dein Schlüsselerlebnis?

2010 fiel der Groschen. Ich fand ein Internetforum, in dem viele Frauen Mirena-Erfahrungsberichte geschrieben hatten und ich fand mich darin wieder. Auch erfuhr ich zum ersten mal von den Nebenwirkungen, die im Beipackzettel stehen. Am nächsten Morgen ließ ich sie mir ziehen. Es dauerte 2 ½ Jahre, bis die meisten Nebenwirkungen verschwunden waren. Das lag vor allem am Progesteronmangel, der durch die Hormonspirale entstanden war und nicht so einfach zu beheben ist. Durch das Gestagen der Hormonspirale (übrigens das gleiche wie in der Minipille) bekommt der Körper das Signal, dass genügend Progesteron da sei (weil das Gestagen dem Progesteron strukturell ähnelt) und fährt das Progesteron runter. Ergebnis: Progsteronmangel und auch Östrogendominanz, typisches Hormonbild der Wechseljahre. Fast alle Nebenwirkungen sind Progesteronmangel- bzw. Östrogendominanz-Symptome. Dazu kommen die durch die hormonelle Verhütung entstandenen Vitamin- und Mineralstoffmängel, an erster Stelle stehen da Magnesium, Vitamin B12, und Vitamin D. Es braucht Zeit, bis die erkannt und behoben werden und auch das mit dem Gewicht regulierte sich nicht so schnell.

Welche hormonfreie Verhütungsmethode wendest du aktuell an und warum hast du dich für diese Methode entschieden?

Seit dem Entfernen der Hormonspirale mache ich NFP, das hatte ich übrigens in den Neunzigern schon mal angefangen. Mir war klar, dass ich keinen Fremdkörper mehr in mir haben will. Da griff ich auf NFP + Kondome zurück.

Videokurs Hormonfrei und Sicher

Viele Frauen haben das Mindset unter anderem durch die Medien, dass hormonfreie Verhütung mit NFP nicht sicher und zu aufwendig ist. Hat dich dieses Mindset auch beeinflusst – wie bist du mit Kritik von ÄrztInnen, FreundInnen und Bekannten umgegangen?

Ja, man hört das überall! Und nein, es hat mich nicht beeinflusst. Ich habe den Eindruck, dass hormonfreie Verhütung schlecht geredet wird, weil hormonelle Verhütung einfach das bessere Geschäft ist. Selbst bei der Pille, an der die FrauenärztInnen nichts verdienen. Denn die Frauen kommen dann ja wegen der Nebenwirkungen häufiger als sonst in die Praxis. Anfangs hab ich mich sehr aufgeregt, wenn z. B. FrauenärztInnen von „russisch Roulette“ sprachen bzgl. NFP. Inzwischen denke ich, dass es eiskaltes Kalkül ist und schneide das Thema einfach nicht mehr an. Gegen Pharma-Gehirnwäsche ist einfach schlecht anzukommen.

Du hast nun schon ein wenig Erfahrung mit NFP gesammelt. Wie lange hast du gebraucht um NFP fehlerfrei zu erlernen und wie würdest du den Aufwand in der täglichen Praxis einschätzen?

Es dauerte schon etwas, z. B. bis ich den Muttermund richtig tasten konnte. So richtig sicher fühle ich mich immer noch nicht. Im Zweifelsfalle benutze ich lieber eine Barrieremethode. Täglicher Aufwand: 5 Minuten.

Bei der symptothermale Methode bestimmt man ja fruchtbare und unfruchtbare Tage im Zyklus. Wie gehst du mit deinem Partner in der fruchtbaren Zeit um?

Wir benutzen eine Barrieremethode, also entweder Kondom oder Diaphragma.

Hattest du schon mal eine Kondompanne in der fruchtbaren Zeit und wie bist damit umgegangen?

Ich dachte, ich hätte eine in der fruchtbaren Zeit gehabt, da war ich 18. Im Nachhinein habe ich verstanden, dass es die unfruchtbare Zeit war, also hätte ich mir die Pille danach sparen können. Was war mir schlecht!

Heute bist du vielen LeserInnen schon als Mitglied in zahlreichen Facebookgruppen wie Risiko Hormonspirale oder Hormonfrei und Sicher Verhüten bekannt und gibst anderen Rat. Was motiviert dich, anderen zu helfen und für wann lohnt sich deiner Meinung nach der Beitritt in diese Facebookgruppen?

Ich bin heute noch froh, 2010 ein Forum gefunden zu haben, als es mir mit der Hormonspirale so schlecht ging. Daher freue ich mich, andere dabei zu unterstützen, damit klar zu kommen: erstmal bei der Erkenntnis, dass es wirklich daran liegt und dann beim „Aufbau“ nach dem Entfernen. Da kann man sehr viel tun, um die entstandenen Vitamin- und Mineralstoffmängel zu beheben, und auch um den Progesteronspiegel hochzubringen. Der Beitritt lohnt sich, wenn man sich überlegt, eine Hormonspirale einsetzen zu lassen, denn nur mit dem Wissen über alle möglichen Nebenwirkungen kann man eine aufgeklärte Entscheidung treffen. Dann natürlich wenn man Probleme mit oder nach der Hormonspirale hat. In diesem Zusammenhang möchte ich gerne auf unsere Aufklärungsseite Risiko Hormonspirale hinweisen. Da gibt es neben den ganzen Nebenwirkungen auch interessante Hintergrundinformationen wie Studien und Umfragen.

Wenn du allen Frauen, die eigentlich keine Hormone mehr nehmen möchten, aber sich nicht trauen diese Abzusetzen oder die Spirale ziehen zu lassen, etwas mitteilen könntest – was wäre das?

Habt Mut, Frauen! Lasst euch nicht durch Hormon-Medikamente takten, sondern nehmt euren fraulichen Zyklus und eure Gesundheit selbst in die Hand, unabhängig davon, was alle anderen sagen, denn ihr, nur ihr bestimmt über euren Körper! Lasst euch eure Libido nicht durch künstliche Hormone rauben!

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