Menstruation ohne Blutung?! – Interview mit Julia

Julia

Julia Stamm

Menstruation ohne Blutung – Geht das? Julia erlebt es jeden Monat und berichtet darüber, wie Ernährung ihre Blutung beeinflussen kann.

Liebe Julia, du ernährst dich mittlerweile fast ausschließlich roh. Wie bist du zur Rohkost gekommen?

Aus ethischen Gründen hatte die ganze Familie sich schon vor der Rohkosternährung seit Jahren vegan – und auch schon vollwertig ernährt. Unsere Ernährung wurde immer „naturnäher“. Wir hatten erkannt, dass die Natur uns Menschen ein gewaltiges Potential mitgegeben hat, von dessen voller Nutzung die Menschheit aber noch meilenweit entfernt ist, sich sogar immer weiter entfernt. Wir brennen dafür, herauszufinden, was für uns, auf unserem Stand der Degeneration, und in unserer veränderten Umgebung, noch möglich ist, inwieweit wir „zurück“ zu unseren eigentlichen Möglichkeiten kommen können. Dazu gehören natürlich Gesundheit und Leistungsfähigkeit, aber eben auch Bewusstheit und Wahrnehmung, die ja in unserer Biologie verwurzelt sind und nicht getrennt vom Stofflichen gesehen werden können. Je ursprünglicher unsere Nahrung wurde, desto größer die Feinfühligkeit und auch das Gefühl von Reinheit, desto einfach das Loslassen von Süchten, verbunden mit dem Wunsch, die Grenzen weiter auszudehnen.

Offensichtlich ist der Mensch als Rohköstler auf die Welt gekommen und war es die meiste Zeit hier. Und nach unserer Erfahrung wirkt erhitzte Nahrung betäubend! Somit war der Trend zur Rohkost früh angelegt, das Aufgeben dieser machtvollen Konditionierung brauchte aber Zeit und einen Auslöser. Dieser kam, als Benedikt länger allein mit dem Auto unterwegs war und quasi aus Versehen nur rohes Vesper dabei hatte. Nach 22 Stunden ununterbrochener Fahrt kam er früher als erwartet und gar nicht müde nach Hause und verkündete, von jetzt an bei der Rohkost bleiben zu wollen. Für mich war es dann kein Problem mehr, diesen Schritt zu gehen. Bei den Kindern hat es noch etwas länger gedauert.

Ich habe schon die bekannte YouTuberin Silke Leopold zum Thema „Keine Menstruation durch Rohkost” interviewt. Wie hat sich deine Blutung verändert seitdem du auf Rohkost umgestiegen bist?

Ich finde es wichtig zu unterscheiden: „Keine Menstruation“ oder „keine Blutung“. Es gibt Rohköstlerinnen, die sich mangelernähren oder deren Verdauung die effiziente Verwertung von Rohkost nicht wieder erlernen konnte. Diese haben dann tatsächlich keine Menstruation, ihr Körper verzichtet auf die Fruchtbarkeit, um Ressourcen zu sparen. Dies ist sicher kein empfehlenswerter Zustand. Anders verhält es sich bei Rohköstlerinnen, die wie ich, eine Menstruation haben und fruchtbar sind, bei denen aber kein oder kaum Blut kommt. Das empfinde ich als überaus angenehm und halte es für gesund. Bei mir kam die Veränderung sehr unspektakulär. Als die Periode nach der letzten Geburt und einem weiteren Jahr Pause (bedingt durch intensives Stillen) wieder einsetzte, war die Blutung schon schwach, wohl wegen veganer Vollwerternährung und hohem Rohkostanteil. Mit der reinen Rohkost wurde sie dann immer schwächer. Die Periode pendelt seitdem zwischen „kein Blut“ und „sehr wenig Blut“ – je nach Art der Rohkost, die ich esse. Dazu möchte ich bemerken, dass sich jede andere Tierart rohköstlich ernährt, jede aber ihre eigene Ernährungsweise hat. Somit ist „Rohkost“ ein sehr ungenauer Begriff, der Millionen unterschiedlicher Ernährungsformen beinhaltet.
Wenn man im Tierreich umherschaut, dann hat kein Lebewesen eine so intensive blutige Menstruation wie der Mensch.

Glaubst du, dass die Menstruation (fast) OHNE Blutung – auch beim
Menschen mal der Standard war?

Ja, ganz klar. Das Setzen einer blutigen Duftmarke für Fressfeinde und der Blutverlust stellte für eine Urzeit-Frau einen unbestreitbar evolutionären Nachteil dar. Wie du sagst, kein anderes Säugetier blutet so stark wie die heutige Frau, auch Primatendamen längst nicht. Nun sind die heutigen Menschen die einzigen Nicht-Rohköstler und die einzigen Säugetiere mit starker Menstruationsblutung. Das ist noch kein kausaler Zusammenhang – meine eigene Erfahrung (und auch die der anderen uns bekannten Frauen), dass ich als Rohköstlerin ebenfalls kaum noch blute, überzeugt mich aber restlos. „Normal“ und „natürlich“ sind in diesem Fall also das genau Gegenteil!

Wie erklärst du dir, dass Frauen mit der Rohkost weniger oder gar nicht bluten?

Die Vorgänge in unseren Körpern sind sehr komplex. Mangels Datenbasis und mangels Interesse seitens der Forschungsfinanzierenden sind keine großangelegten Untersuchungen bei gesunden Rohköstlerinnen mit Zyklus möglich. Somit ist es reine Spekulation, wenn ich sage, dass zyklischer Aufbau und Abstoßen einer gut durchbluteten Schicht im Uterus eventuell einer Entgiftung dient, die Normalesserinnen nötiger haben als ich. Vielleicht dient die Blutung auch zu gar nichts, ist einfach eine pathologische Reaktion auf die unnatürlichen Stoffe in der erhitzten Nahrung. Wie gesagt, reine Spekulation, ich freue mich über die Tatsache, dass es so ist.

Julia, hast du seit der Rohkost auch weniger Menstruationsschmerzen oder sind die gleich geblieben?

Auch früher hatte ich keine Menstruationsschmerzen, hier kann ich also keine Rohkost-Erfolgsstory liefern. 😉 Allerdings war ich früher vor meinen Tagen leichter reizbar und etwas weniger leistungsfähig. Heute nehme ich kaum einen Unterschied war.

Hast du jemals hormonelle Verhütung genommen, wenn ja, welche Nebenwirkungen hast du beobachtet?

Als naive Schülerin und junge Studentin habe ich die Pille genommen und problemlos vertragen. Ich bin froh, dass ich Benedikt kennengelernt habe, als ich gerade keine Pille genommen habe, denn ich habe festgestellt, dass sich mein Geruchssinn durch die Pille verändert hat und vor allem, inwieweit ich den Geruch anderer Menschen anziehend oder eher abstoßend finde. Hätte ich ihn mit Pille getroffen, hätte ich eventuell nach dem Absetzen festgestellt, dass ich ihn nicht mehr riechen kann – oder hätte ihn gar nicht ausgesucht. Heute käme für mich so ein Eingriff in meinen Hormonhaushalt überhaupt nicht mehr in Frage.

Wie würdest du nach dem Absetzen hormoneller Verhütung entgiften?

Ich meine, Nicht-Vergiften über einen langen Zeitraum ist allgemein die beste Entgiftung – vielleicht ergänzt durch regelmäßiges intermittierendes Fasten. Starke Entgiftung absichtlich auszulösen sehe ich kritisch, denn der Körper verstaut Gifte so, dass sie am wenigsten stören. Diese geballt hervorzuholen ist immer zunächst eine Vergiftung, die großen Schaden anrichten und auch Süchte triggern kann.

Eigentlich ernährst du dich nicht nur roh, sondern „hippocratisch“. Kannst du kurz erklären, was das ist – und was sich seitdem in deinem Leben als Frau positiv verändert hat?

Wie schon angedeutet, es gibt viele Möglichkeiten, sich roh zu ernähren. Das wussten wir früher noch nicht, da galt „Hauptsache roh“, was dann zu Unmengen Obst und Nüssen, oft auch in Kombination, geführt hat. Anfangs ging es uns damit gut, nach etwa einem Jahr kam der Knick (Karies, Leistungsabfall). Eine Freundin hat uns dann von ihrer Zeit am Hippocrates & Health Institute bei Brian Clement in Florida erzählt. Kein Obst, sorgfältige Kombination, und vor allem Sprossen und Keimlinge. Da wurde es uns klar: Unsere Vorfahren haben kein süßgezüchtetes Obst gegessen, keine Trockenfrüchte, auch wilde (kleine) Nüsse gab es nicht mehr, als man in der Zeit knacken konnte. Nein, sie haben vor allem junge Pflanzen gegessen – wie es unsere nächsten Verwandten auch tun. Die Hippocrates-Ernährung haben wir nach *Ann Wigmores Buch „Hippocrates Diet“ genannt. Zu den Sprossen und grünen Sprossensäften (zu denen auch Weizengrassaft gehört), haben wir die Wildkräuter zur Basis unserer Ernährung gemacht. Gerne bezeichnen wir unsere Ernährung daher auch als „Gorilla-Ernährung“. Der Gorilla ist übrigens das stärkste Säugetier der Erde: Mit einem praktisch identischen Verdauungssystem kann ein Gorilla doppelt so schwer heben wie ein gleich schwerer Gewichtheber im Superschwergewicht. Dazu passt, dass ich mich jetzt, so schlank, leicht und sehnig, so leistungsfähig erlebe wie niemals zuvor in meinem Leben, dazu so feinfühlig. Das Hippocrates Health Institute hat auch im Winter die Sonne Floridas über sich. Dort ziehen Angestellte in Gewächshäusern Sprossen für die gut zahlenden Gäste, die dort selbst eine entspannte Zeit verleben. Das bedeutet, dass sich die Ernährung dort nicht ohne Weiteres auf einen Alltag in Mitteleuropa übertragen lässt, auch an Rezepten gab es bisher kaum etwas, schon gar nicht in deutscher Sprache.

Wendest du auch die Freie Menstruation oder alternative Menstruationshygiene an oder ist das bei dir sowieso nicht mehr nötig?

Genauer habe ich mich nie mit der „freien Menstruation“ auseinandergesetzt. Meine Handhabung kommt dem aber wohl recht nahe. Der Großteil der Minimenge Schleim und manchmal Blut geht mit dem Urin ins WC. Nur, wenn wir beispielsweise in die Oper gehen und ich über Stunden am Stück sitzen muss, verwende ich ein Tampon.

Wenn du allen Frauen, die unter starken Menstruationsbeschwerden leiden und sich für die Rohkost interessieren, etwas mitteilen könntest, was wäre das?

Interessiert euch ruhig weiter für Rohkost. Die Beschwerden werden Geschichte sein, wenn ihr die Rohkost umsetzen könnt.

Hinweis der Redaktion: Julia war früher mal im Rahmen des Projektes der Rohmantischen Familie aktiv. Dies ist jetzt nicht mehr der Fall. Auch die eBooks der Familie zur Hyppocrates Ernährung wurden vom Markt genommen.

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